Nervös

 

 

In genau zwei Wochen bin ich zu meinem ersten Laufwettkampf angemeldet.

Der Franklin Lauf über 9 Milen, am 22.10.2017

in Mannheim. Immerhin 14,5 km… und ich bin nervös.

 

Bin ich gut genug vorbereitet?

 

Wie läuft es sich in einem Pulk von mehreren hundert

Läufern, wenn man wie ich, bisher nur alleine gelaufen

ist?

 

Finde ich mein eigenes Tempo, das bisher immer so wichtig

für mich war?

 

Muss ich trinken, wenn ja wann und wieviel?

 

Soll ich mir zu meiner Motivation ein Zeitziel setzen ?

 

Oder soll es Erstmal reichen nur gut anzukommen, und nicht

auf dem Zahnfleisch ?

 

Komme ich bei meiner Suche nach Glück ein Stück weiter?

 

Ich bin nervös.

 

Peter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tragische Läufermomente Teil 1

Die Strecke von Marathon nach Athen beträgt 39 km und genau soviel wurde 1896 bei den 1. Olympischen Spielen gelaufen.

1908 bei den Spielen in London wollte das britische Königshaus, dass der Startpunkt des Rennens Schloss Windsor sei. Wenn die Royals was wünschen, wird das natürlich erfüllt. Strecke geändert, neu vermessen, jetzt 41,195 km.

 

Tragisch für alle, die sich seither 2 km mehr quälen müssen, um dem Mythos“ Marathon gerecht zu werden.

 

Noch tragischer kam es bei diesem Rennen 1908 für Dorando Pietri.

 

Als er ins Stadion zur Schlussrunde einbog hatte er einen riesigen Vorsprung vor der Konkurrenz und hätte bei den ursprünglichen 39 km bereits als strahlender Sieger festgestanden.

Völlig entkräftet brach er 350 Meter vor dem Ziel zusammen.

Er konnte sich wieder aufrappeln, viel aber immer wieder hin, 10 Meter vor dem Ziel zum 5. Mal.

Der Engländer stets Gentleman, in Person von Ärzten und Kampfrichtern schoben den Italiener über die Ziellinie…. Und…… dieser wurde später wegen unerlaubter Hilfestellung …..disqualifiziert.

 

Von der, die ihm das eingebrockt hat, Königin Alexandra, bekam Dorando einen eiligst gestifteten Sonderpokal.

 

Peter

 

 

Lauf-Alter-Laufrausch :)

 

Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, bis ich ins Laufen wirklich reingekommen bin. Aber damals bin ich zu schnell und mit Musik (vielleicht auch deshalb zu schnell) gelaufen und es hat mir nicht wirklich viel Freude gemacht. Deswegen habe ich  wohl auch wieder aufgehört.
Dann habe ich es immer wieder mal probiert, aber es blieb bei vereinzelten Versuchen.
Vor einer Weile hat mir eine Freundin vorgeschlagen, mal zusammen zu laufen. Sie arbeitet nebenher als Fitnesstrainerin und konnte mir viele Tips geben, zu meinem Tempo, meiner Atmung. Sie hat mir auch vorgeschlagen, eine längere Strecke zu laufen und eben zur Not Gehpausen zu machen. Außerdem hat sie mich davon überzeugt, dass es ohne Musik durchaus besser gehen kann. Seitdem habe ich große Freude am Laufen.
 
Seit dem Start mit meiner Freundin laufe ich fast immer die gleiche Strecke, vom Collinicenter bis zur Staustufe, dort über die Brücke, auf der anderen Seite zurück und über die Friedrich-Ebert-Brücke wieder zurück.
Ich bin begeistert davon, wie schnell das Laufen meine Kondition verbessert hat. Ich laufe, um mir und meinem Körper etwas Gutes zu tun.     
 
Der Lauftag, an dem ich es geschafft habe, bis zur Staustufe einfach durchzulaufen – und das, obwohl ich allein unterwegs war, also keinen Motivationspartner oder so hatte-ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.
 
Ich bilde mir zumindest ein, dass ich beim Laufen Glücksmomente wahrnehmen kann, ja. Die ersten 10 bis 15 Minuten sind härter als der Rest meines Laufs, ich muss mich noch konzentrieren auf meine Haltung, meine Atmung und halte Ausschau nach dem nächsten Punkt, bis zu dem ich es mindestens ohne Gehpause durchhalten will. Und dann entspanne ich mich relativ plötzlich, mein Körper wird weicher, die Bewegungen laufen runder, ich fange an, ohne großen Grund zu lächeln, die Bäume am Wegesrand zu betrachten, mich gut zu fühlen – und das Laufen läuft einfach.
 
Beim Laufen denke ich an ganz unterschiedliche Dinge. Oft freue ich mich einfach an meiner Umgebung und (idealer Weise) dem Sonnenschein. Gerne lasse ich quasi-meditativ Gedanken einfach aufkommen und dann auch wieder gehen und beobachte einfach, was da so in meinem Geist auftaucht. Tatsächlich erfahre ich aber auch einfach viel mentale Entspannung. Als ich Text auswendig lernen musste für ein kleines Theaterstück, habe ich beim Laufen gerne den Text vor mich hergesprochen, um zu sehen, ob ich ihn drauf habe.
 
Ich fühle mich beim Laufen sehr gut.  
Nach 15 Minuten würde ich sogar sagen: glücklich.
 

 

Das Laufen ist für mich wie ein Spiegel,
der mir sagt, dass „es am besten läuft“,
wenn ich meinem Tempo folge,
nicht zu viel von mir fordere,
aber dennoch dran bleibe.
So komme ich Schritt für Schritt weiter,
und das manchmal schneller oder weiter
als ich vorher gedacht hätte.
Im Laufen wie im Leben.
 
Isa

Von 0 auf 180 in………

Zum Jahresende 2016 als es wieder mal Zeit für gute Vorsätze war, stand es mit meiner Fitness im Argen, couchpotato, zuviel Alkohol und mit 85 Kilo auch noch zu schwer.

An joggen war zunächst gar nicht zu denken. Bis Mitte Januar walken.

Dann walken mit immer länger werdenden Joggingpassagen.

Am 3.2. dann das erste Mal am Stück 4 km gelaufen, noch 82,5 kg.

Nach und nach habe ich bei 2-3 die Woche laufen die Wegstrecke ausgebaut, und am 27.3. zum ersten Mal 7 km an einem Stück, jetzt bei 79,5 kg.

Ich war schon ein bisschen stolz auf mich:

Von 0 auf 7 km in 3 Monaten und mehr als 5 kg abgenommen.

Die Tage wurden länger und der Wald lockte:

Silberpappel, das NSG „Der Schlauch“, Strandbad, Reissinsel, Bellenkrappen.

Ein dichtes Geflecht von Rad- und Fußwegen, kleine Pfade, kreuz und quer, mit den unterschiedlichsten Belägen.

Dann die Rheinpromenade, der Waldpark. Auch hier ein Joggerparadies, dass selbst an Sonntagen nicht überlaufen ist.

Aber erst mal da hinkommen.

Der heiße Juni, Juli und August ist nicht so meine Zeit.

Weder bin ich ein Frühaufsteher, noch ein Abendläufer.

7,5 km 8,0 km und 8,5 km.

Aber irgendwie wollte es dann einfach nicht mehr weitergehen.

Peter, hab ich mir gesagt, nimm den Dampf raus.

Du hast 8,5 km geschafft und wiegst jetzt 76,5 kg.

Du hast doch schon soviel erreicht!

Ja, früher, da bist Du die 10 km locker in einer Stunde gelaufen.

Das war vor 40 Jahren! Mann! Alter!

Die 10 km blieben in weiter Ferne……..

Schier unerreichbar………

Bis an einem frischen, kühlen Sonntagmorgen ende August

Von 0 auf 180 in 8 Monaten!

Ist das schon Glückseligkeit???

Peter

Joggerhassers`s Joggertypen

 

Der Selbstquäler ohne Freude (30% männlich, 70% weiblich)

  • läuft gequält und gehetzt, weil „man läuft”, aber eigentlich gar keinen Spaß daran hat

  • verbreitet entsprechende Aura um sich herum, die mit jedem Muskel sagt: „sprich mich nicht an, ich hasse was ich tue!”

  • deutlich schwitzend, schwerer Atem

  • Kleidung: Praktisches, Baumwoll-T-Shirt, unauffällige Farben

Der Sportler bzw. Studiosportler (99% männlich)

  • Betont lässige Gangart, leicht und beschwingt

  • Arme angewinkelt, schwingend

  • scheinbar mühelos, nie außer Atem

  • hat die Umgebung links und rechts im Blick, weiß, wer ihn beobachtet

  • sportliche Figur, gerade Haltung

  • Aussage: „Ich laufe gerne, weil ich es kann”

  • Kleidung: modische leichte Sportkleidung, mit Bedacht zusammengestellt

Die Unterhaltungsjoggerinnen (99% weiblich)

  • meistens zu zweit

  • sind es gewohnt zu Laufen

  • unterhalten sich fortwährend und lautstark, auch über Privates und Intimes (man ist ja schließlich schnell weg von potentiellen Zuhörern)

  • lockerer Laufstil, wirkt unangestrengt

  • sportlicher Ehrgeiz liegt in dem Willen, der Welt zu zeigen, dass man auch beim Joggen nicht aufhören muss zu reden

  • Kleidung: Praktisches, beiläufig Ausgewähltes

Der schnelle Ausdauertyp (70% männlich; 30% weiblich)

  • drahtig, kein Übergewicht

  • kann mühelos 30km laufen mit mehreren olympiatauglichen Zwischensprints

  • hält sich für den einzig wahren Jogger

  • Reaktion der Umgebung ist egal, die eigene Leistung zählt

  • Kleidung männlich: bei kühleren Temperaturen gerne schwarze legginsartige Beinkleider, darüber schwarze Boxershorts, oben unauffällige Sportkleidung

  • Kleidung weiblich: Neonfarben, enge Oberteile, Leggings

  • H e n n i n g

Wir stellen vor: Thomas, 66

Frage:     Wie bist du zum Laufen gekommen?
 
Durch einen Krankenhausaufenthalt mit Verdacht auf Herzinfarkt. Der Chefarzt meinte mit Blick auf mein damaliges Übergewicht, ich solle in Zukunft weniger „Leberwurstbrote“ essen.
In meiner Firma begann in dieser Zeit auch ein Projekt in dem Laktatmessgeräte getestet wurden und die Mitarbeiter konnten bei „Mach mit, werde Fit“ , mitmachen.“
Ich war um die 40 und gewarnt und habe mich beteiligt, denn es wurde uns  versprochen: nach 12 Wochen kannst Du 1 Stunde laufen.
Das hat auch gestimmt und seither bin ich, bis heute, beim Laufen geblieben.
 
Frage:      Welche Läufe und Strecken hast Du absolviert?
 
Von 10 Km bis 78,8 km beim Rennsteiglauf in Thüringen, alles.
Bis 2009 bin ich 15 mal die Marathonstrecke gelaufen. Für mich waren die Stadtmarathon Strecken oder die Cityläufe immer auch eine Art sight-seeing-tour. Ich finde es toll wenn man so in einer Stadt durch die Stadtteile geführt wird und an den Sehenswürdigkeiten vorbeikommt. Und dann nutze ich auch die kulturellen  Angebote der jeweiligen Stadt in dem ich Theater oder Museen besuche.
 
Frage:     Gibt es einen Lauf, der Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist, und wenn ja warum?
 
Als meinen schönsten  Lauf würde ich den bereits erwähnten Rennsteiglauf wählen. Diese Cross Strecke führt über Berg und Tal. Man hat Zeit auf so einer langen Strecke und kommt mit anderen Läufern ins Gespräch. Z.B. aus anderen Bundesländern,  es waren aber auch viele Dänen und Finnen unterwegs. Ein Hamburger hat mir so von seiner Stadt vorgeschwärmt, dass ich dann im nächsten Jahr dort war.
 
Frage :    Vielfach wird berichtet, dass beim Laufen Glückshormone ausgestoßen werden. Hast Du derartiges erlebt, wenn ja kannst Du es beschreiben?
 
Es tut mir leid von so einem Glücksgefühl kann ich nichts berichten. Aber die Ankunft am Ziel hat bei mir immer Freude und Zufriedenheit ausgelöst, die Strecke geschafft zu haben.
 
Frage :    Wenn Du so läufst, was geht Dir so im Kopf herum?
 
Probleme. Probleme in der Firma aber auch privat.
Laufen hat mir geholfen Probleme zu lösen. Zum Beispiel: Wenn ich mit Fragestellungen in der Firma nicht mehr weiter gekommen bin, habe ich Feierabend gemacht und bin nach Hause gejoggt und versucht das Problem zu lösen. In 90 % der Fälle ist mir das gelungen.
 
Frage :    Gibt es ein Erlebnis oder Ereignis, dass Dich noch heute beschäftigt, oder wie man auch sagt: das Du nie vergessen wirst?
 
Ja, sowohl im Positiven, wie im Negativen.
Als ich beim Berlin Marathon im Zieleinlauf durch das Brandenburger Tor gekommen bin. Das war ein ergreifender Moment. Die Bilder der Grenzöffnung und der Menschen die sich damals begegnet sind, hier am Brandenburger Tor, sind mir in den Sinn gekommen. Das war sehr bewegend.
Ich habe mit unserem Firmenteam in Frankfurt an einem Firmenlauf teilgenommen. Eigentlich nichts großes 5-6 km,  aber Tausende von Läufern. Nach ca. 2 km mussten wir alle an einem Läufer vorbei der gestorben war und nur mit einer Plane zugedeckt am Straßenrand lag. Dieses Bild geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
 
Frage:    Was würdest Du  einem jungen Läufer oder Anfänger als Rat, Tipp oder Vorschlag mit auf den Weg geben ?
 
Maßvolles Training.
Langsam anfangen mit wenigen Kilometern. Nach Pulsuhr laufen, die Herzfrequenz ist wichtig. Langsam steigern und nicht denken, dass man bei jedem. Lauf seine Zeit verbessern muss.
 
Frage :    Gibt es so etwas wie ein Resümee oder Fazit, das Du ganz persönlich aus dem Laufen ziehst oder gezogen hast?
 
Bewegung war und ist wichtig für mein Wohlbefinden.
Laufen macht frei.
Für mich gibt es nichts schöneres als bei frisch gefallenem Schnee die ersten Fußspuren darüber ziehen zu können. Solange ich krabbeln kann wird gelaufen.

10 vor 10

 

 

Es geht immer los um 10 vor 10 Uhr. Es hat eine Weile gedauert, bis ich entdeckt habe das die große Uhr an der Straße kaputt ist. Es ist also egal wann ich starte, egal wann ich zurückkehre und wieviele Kilometer ich auch gerannt bin: es ist und bleibt 10 vor 10.

Ich kann noch soviel Laufen und Schnaufen, ich komme immer wieder an den Ursprung zurück. Wirklich voran komme ich nur im Kopf, was meine Beine machen ist temporär.

 

Wenn ich das verstanden habe, bin ich ein gutes Stück weiter.

 

(Running Käimi)

 

Das Schloss, die Herzogin und der Falke

1. Wenn ich am Bellenkrappen vorbei bin und auf der Rheinpromenade
    laufe, komme ich Schritt für Schritt der Konrad-Adenauer-Brücke
    entgegen. Ich hab sie fest im Blick.

 

 
P.`s ganzes Streben ist darauf gerichtet sich der K-A-B  zu nähern.
Wie in Kafka`s Schloss für K.,  scheint für beide ihr Ziel unnahbar
und unerreichbar zu sein.
K.`s ganzes Streben ist darauf gerichtet sich dem Schloss zu nähern.
 
2. Bei der Statue der Großherzogin Stephanie ist immer der kritische
    Punkt.
    Seit kurzem halte ich Zwiesprache mit ihr.
    Als ich mich ihr heute nähere, ruft sie mir schon von weitem zu:
    „P. höre auf Deinen Körper. Heute ist nicht Dein Tag.
    Komm zu mir, grüße mich und dann kehre um.“
    Heute wollte ich unbedingt bis zur Brücke;
    aber ich höre auf meinen Körper, höre auf Stephi, grüße sie…..
    und kehre um.

 

 
3.  Wieder im Waldpark, nahe dem Rheindamm, sitzt unerwartet ein
     Falke auf meinem Weg.
     Als ich schon ganz nahe bin, flattert er voran, und bleibt wieder
     auf dem Weg vor mir sitzen.
     So geht das ein paar mal, so als wolle er mir den Weg weisen oder
     etwas sagen.
     Plötzlich ist er weg, ohne dass ich ihn habe wegfliegen sehen.
Erst spricht Stepanie zu mir dann der Falke der mir ein Zeichen geben will.
Gespinste, die beim Laufen entstehen ?
Peter